Ursache

Die Ursache (Ätiologie) der Erkrankung ist unbekannt. Die meisten Fälle treten sporadisch, das heißt ohne familiäre Häufung auf. In einem kleinen Teil der Fälle (5–10 %) kommt es jedoch zu einer familiären Häufung. Genetische Untersuchungen der betroffenen Familien sind von großem wissenschaftlichen Interesse, da sich aus den hier gewonnenen Erkenntnissen möglicherweise auch Behandlungsansätze für die häufigeren sporadischen Erkrankungsfälle ableiten lassen. Bei einem Großteil der betroffenen Gene macht man eine abnorme Verarbeitung der RNA für die pathologischen Ablagerungen verantwortlich.

In etwa 20 % der Familien ist eine Expansion eines repetitiven Genabschnittes von C9ORF72 nachweisbar, bei weiteren 10 % der betroffenen Familien sind Mutationen des für eineSuperoxiddismutase kodierenden SOD1-Gens nachweisbar, weswegen vermehrtem oxidativem Stress eine Rolle bei der Pathogenese zugesprochen wurde. [3][4] Häufig besteht hier ein autosomal-dominanter Erbgang. Auch eine Reihe weiterer Gene wurde in Zusammenhang mit einem familiären Auftreten gebracht. [5] So wurden Mutationen des TAR DNA binding protein (TDP-43) beschrieben, die in vitro rascher abgebaut wurden und eine vermehrte Apoptose in neuralen Zellen auslösten. [6] Bei einer familiären Form mit X-chromosomalem Erbgang konnten Mutationen des UBQLN2-Gens nachgewiesen werden. Dieses Gen kodiert für Ubiquilin 2 – ein Protein, das an der Regulation des Abbausubiquitinierter Proteine beteiligt ist – und spielt möglicherweise auch eine Rolle bei der sporadischen ALS.  [7]

Ein möglicher Faktor der Krankheit könnte in exzitotoxischen Ereignissen (Übererregung) am NMDA-Rezeptor zu suchen sein. Der Transmitter D-Serin ist ein Co-Agonist an diesem Rezeptor und erhöht die Rezeptor-Affinität des Agonisten Glutamat. Eine Übererregung des NMDA-Rezeptors kann neurotoxische Folgen haben. Ein durch eine pathologische Mutation des Enzyms  D-Aminosäureoxidase [8] bedingter verlangsamter Serin-Abbau könnte die physiologische Konzentration dieser D-Aminosäure zu stark ansteigen lassen. [9]


 


 

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Amyotrophe_Lateralsklerose