Meine Erfahrungen mit Ärzten

Beginnen möchte ich diesen Teil damit, dass der Auslöser für die Untersuchungen ein Sturz beim Skifahren gewesen ist. Hierbei bin ich auf meinen rechten Daumen gefallen und konnte ihn seither nicht mehr richtig bewegen.

Der erste Weg führte mich zu unserem Orthopäden. Dieser hat mich in die Klinik übermittelt, da er meine Sehne nicht operieren könne. Die seien darauf spezialisiert. Keine Rede von ALS. Die Diagnose mit der kaputten Sehne war in Ordnung. Bestätigung durch die Klinik.

Im Krankenhaus stellte der behandelnde Arzt noch ein weiteres Symptom fest. Zwischen dem Daumen und Zeigefinger der rechten Hand bemerkte er eine Vertiefung, die Ihm seltsam vorkam. Aber er lies mich nicht wissen, auf was dies hindeutet. Stattdessen telefonierte er mit der Uniklinik Tübingen und tauschte mit seinem Kollegen Fachausdrücke aus. Ich habe nichts verstanden. Der Arzt sagte zu mir, es wäre besser, noch weitere Untersuchungen vorzunehmen. Dazu müßte ich nach Tübingen. Ich bekam keine Auskunft, auf was ich untersucht werden solle. 

Dann drei Tage Untersuchungen in der Uniklinik Tübingen. Viele davon mit Strom. Vom Kopf ausgehend zu den Fingern und Beinen, sprich mein ganzer Körper vom Strom durchkreuzt. EKG, Entnahme von Rückenmarkwasser, Blutentnahme, um nur einige weitere Untersuchungen zu nennen. Wofür dies alles gemacht wurde blieb mir ein Rätsel, da  niemand Auskunft geben konnte oder wollte. Die Ärzte redeten um den heißen Brei herum, ohne auf den Punkt zu kommen. Einen Entlassungsbrief habe ich nicht erhalten beim verlassen des Krankenhauses. Sehr verwunderlich befand auch mein Hausarzt.

Nach ca. sechs Wochen ist der Brief in der Post gewesen. An einem Freitag. Inhalt viel Fachchinesisch, was ein normaler Mensch nicht versteht. Am Ende des Briefes taucht dann zum ersten Mal das Wort ALS auf. Diagnose: Verdacht auf ALS. Nicht einmal mein Hausarzt wurde von der Klinik informiert. 

Der nächste Kontakt war mit einem Neurologen, der sich mit ALS auskannte. Er hat den Krankenhausbericht gelesen und selbst nochmal die Strommessungen durchgeführt, um sich ein Bild meines Zustands zu verschaffen. In eiskaltem Ton und ohne Mitgefühl teilte er mir mit, dass  ich spätestens in sechs Monaten Rentner wäre und in einem Jahr nicht mehr unter den Lebenden sein werde. Was für ein Schock. Ich wollte nur noch raus hier. Das hatte ich mir anders vorgestellt. Dass nichts Gutes rauskommt war mir bewußt, aber so eine Nachricht kann auch anders übermittelt werden.

Der nächste Weg führte mich in die Uniklinik Ulm. Die sind spezialisiert auf ALS Patienten. Das merkte man sofort. Zum ersten Mal erklärte mir jemand ausführlich, was ALS bedeutet und was auf einen zukommen wird , obwohl bei jedem Betroffenen die ALS einen anderen Verlauf nimmt. Das Gespräch dauerte fünf Stunden. Fünf Stunden, die meinem Leben wieder einen Sinn gaben, trotz einer tödlichen Krankheit in meinem Körper. Für mich stand fest, meine weiteren Untersuchungen finden nur hier statt.

Soviel zum Thema Erfahrungen mit Ärzten.